Erfahrungsberich #02 – Claudia Barenthien

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Erfahrungsbericht Patenschaft

Ich hatte so viel in den Nachrichten gehört: Viele Flüchtlinge Grenzen zu, Krieg, Bombenhagel, zerstörte Städte, „Wir schaffen das!“, junge dunkelhäutige Männer die deutsche Frauen anstarren/begrabschen und den Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen, Helfer – die als Begrüßer am Hauptbahnhof stehen und Flüchtlinge mit Tee begrüßen,….

Ein Nachbar fragte mich eines Nachmittags: ich gehe jetzt zum Hauptbahnhof zur Begrüßungsstadion und helfe Decken falten und was machst Du für dein Karma? Tja, was mache ich für mein Karma? Da ich in Decken falten nicht gut bin, aber ich bereits viele junge Menschen ausgebildet habe und mein Mann seit seiner Zeit als Geselle (Heizungsbau) auch sehr viele Erfahrungen mit jungen Männern hat, habe ich eine Organisation gesucht, die junge Flüchtlinge betreut und für diese Menschen Paten sucht. So bin ich zu human@human gekommen.

Im Dezember 2015 erhielt ich dann einen Anruf: ein junger Mann benötigt unsere Hilfe – 24 Jahre aus Damaskus und spricht wenig Deutsch, dafür kein Englisch, aber Arabisch!

Kurz darauf haben wir ihn am Bahnhof Holstenstraße abgeholt – so haben wir Diaaalden Mosua Alasch oder auch Diaa kennengelernt.

Er hatte gerade eine Wohnung von der SAGA bekommen und hat einen 8 seitigen Mietvertrag unterschrieben und wollte wissen was er da unterschrieben hat. Wir dachten „kein Problem“, aber selbst der kaufmännische Angestellte bei der SAGA konnte uns Teile des Vertrages inhaltlich nicht erklären. Daraufhin haben wir Diaa versucht zu erklären, was deutsche Verwaltung ist, bin mir aber nicht sicher ob er es verstanden hat. Wobei wir ihn aber helfen konnten war, ihm zu erklären was Tapeten sind. Aber bei „Warum Papier an die Wände?“, konnten wir auch nicht weiterhelfen.

Auf jeden Fall haben wir viel zusammen gelacht und uns wurde klar was für unsere Kultur selbstverständlich ist, muss noch lange nicht „Weltstandart“ sein.

Nach dem Diaa seine B2 –Abschluss gemacht hatte, hat er ein Berufsvorbereitungsjahr für Flüchtlinge auf der Vettel besucht und bei einem Praktikum bei Continental hat er eine Zusage für ein Berufsvorbereitungsjahr für Deutsche und für Flüchtlinge bekommen. Anschließend hat er einen Ausbildungsplatz für Anlagenmechaniker für Sanitär bei einem Harburger Sanitärbetrieb vermittelt bekommen. Nun lernt er bereits ein Jahr – kein Sonderstatus!! – dort, macht seinen Führerschein und hat eine Freundin!! Seine Freundin hat er über eine Facebook – Freizeitgruppe kennengelernt und zusammen haben sie bereits seine Wohnung renoviert. Anschließend haben die beiden uns zu Kaffee und Zitonenbiskuitkuchen eingeladen.

Aber bis dahin hat Diaa sehr viel gelernt und gekämpft. Nicht bei allem konnten wir ihm beistehen. Aber durch seine Zielstrebigkeit, Freundlichkeit, Ruhe und seine Hoffnung auf eine Ausbildung hat er alle Hindernisse bislang gemeistert.

Außer mit ihm Fachrechnen und Fachdeutsch zu lernen und ihm durch den deutschen Behördendschungel zu leiten, haben wir ihn mit zu Heimspielen von St. Pauli genommen, sind mit ihm auf ein Festival gefahren, dort wurde er zum Master of Humus ernannt– er hat für die gesamte Crew, einschließlich Künstler Humus gekocht. Kochen und Grillen machen wir immer noch gerne – mal gibt es ein syrisches Gericht, mal ein deutsches. Auch musste er mit meinem Freundinnen beim ESC gucken Eierlikör trinken. Nicht alles an der deutschen Kultur hat ihm gefallen…..

Wir haben mit ihm das Planetarium, die Plaza der Elbphi,…. besucht und haben Hamburg nochmal neu kennengelernt!

Aber er braucht keine Betreuung mehr – wir sind keine Paten mehr – sondern Freunde!

Claudia und Sven Barenthien

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